Handwerk: „Flüchtlinge wichtiger Baustein“

Handwerk: „Flüchtlinge wichtiger Baustein“

Florian Schromm (43) ist Flüchtlingskoordinator bei der Handwerkskammer für Mittelfranken (HWK). Als Projektleiter für den Integrationspakt Bayern hilft er dabei, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit Fluchtlichter sprach Schromm im Dezember 2017 über …

… die Attraktivität des Handwerks für junge Menschen:

Schromm: Das Problem ist: Handwerk hat den Ruf, dass es schmutzig ist und man wenig verdient. In manchen Bereichen mag das auch zutreffen. Es gibt Berufe, die tariflich mit der Industrie nicht mithalten können. Andererseits lässt sich zum Beispiel im Baubereich gutes Geld verdienen. Als Handwerker habe ich zudem immer eine realistische Chance, mich eines Tages selbstständig zu machen. Ich gehe davon aus, dass auch in Zukunft ein guter Handwerker mehr bekommt, als jemand, der etwas Brotloses studiert hat.

… Förderangebote für Unternehmen, die Flüchtlinge beschäftigen möchten:

Es gibt so viele gute Maßnahmen, durch den Integrationspakt Bayern, die Bundesagentur für Arbeit oder von unserer Seite, dass die schon fast miteinander konkurrieren. Eine geniale Geschichte für junge Flüchtlinge, das sind zum Beispiel die BIK-Klassen. Alle anderen Bundesländer haben Bayern darum beneidet. Die Bundesagentur für Arbeit bietet ausbildungsbegleitende Hilfen oder die Assistierte Ausbildung für Geflüchtete an, die Industrie- und Handelskammern haben einen Online-Test zur Kompetenzfeststellung entwickelt. Da ist von Anfang an viel Geld in die Hand genommen worden.

… die Aussichten für Geflüchtete im Handwerk:

Wir haben Probleme, die Stellen im Handwerk zu besetzen. Flüchtlinge sind da ein wichtiger Baustein. Im Allgemeinen sind die Handwerksbetriebe sehr offen, zumal es in keiner anderen Branche so normal ist, Menschen mit Migrationshintergrund zu beschäftigen. Allerdings ist die ehemals große Bereitschaft bei den Betrieben zurückgegangen. Das liegt zum Beispiel daran, dass Flüchtlinge aufgrund aufenthaltsrechtlicher Probleme die Ausbildung abbrechen müssen. So etwas spricht sich herum. Die Unternehmen haben Angst, dass sie rechtlich etwas falsch machen.

… die Motivation Geflüchteter, die nach Deutschland kommen:

Ich verwehre mich gegen Pauschalaussagen über bestimmte Gruppen. Aber ich traue mir zu sagen, dass die Motivation bei Flüchtlingen unterm Strich außergewöhnlich hoch ist – ganz besonders bei denjenigen mit schlechter Bleibeperspektive.

… die komplizierte Rechtslage bei Asylbewerbern aus Ländern mit schlechter Bleibeperspektive:

Irgendwann hieß es, dass man nur noch Flüchtlinge aus Ländern mit guter Perspektive versorgen soll. Bei Afghanistan zum Beispiel haben wir alle paar Monate eine andere Situation. Im Zweifelsfall müssen wir da den „sicheren“ Weg gehen und sagen: eigentlich können wir uns um die nicht kümmern. Auf der anderen Seite gibt es unter den afghanischen Flüchtlingen sehr viele motivierte Leute, die gern ins Handwerk wollen. Mein Wunsch wäre, dass klar ist, für wen es welche Chancen unter welchen Voraussetzungen gibt.

… politische und soziale Verantwortung:

Was mir Sorge macht, ist die Gruppe von Menschen, die keine Perspektive haben. Wenn Flüchtlinge aus rechtlichen Gründen nicht arbeiten dürfen und stattdessen herumgammeln müssen, dann ist das gesellschaftlich-politischer Zündstoff. Ich hoffe, dass die Politik irgendwann einlenkt und ihnen die Chance gibt, etwas Sinnvolles zu tun.

Ein Gedanke zu „Handwerk: „Flüchtlinge wichtiger Baustein“

  1. Sehr interessante und lobenswerte Beiträge zu einem der aktuellsten Themen in unserer Gesellschaft. Hut ab vor denen, die nicht nur abwarten, sondern nach Lösungen suchen und handeln.

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